Liebe auf den 1. Blick

Pamela MeiselPamela M. ist gebürtige Australierin und reiht sich damit in die international breit gefächerte Gemeinschaft der Senioren Residenz Josefstadt.

Das Appartement mit Blick auf den Hamerlingpark ist ganz neu eingerichtet – bis auf das Bett und den Schreibtisch. Diese beiden Stücke hat Pamela M. aus ihrem alten Leben mitgenommen. Sonst nichts. Es sollte ein klarer Schnitt sein, bewusst gesetzt und im Nachhinein betrachtet noch immer richtig. „Meine Tochter sagt, ich bin aufgeblüht, seitdem ich hier bin“, schwärmt die 86-jährige Dame mit einem strahlenden Lächeln.

Pamela M. spricht mit einem unverkennbar englischen Akzent, ist sie doch gebürtige Australierin. In Sydney geboren, verschlug es sie in den 1950er-Jahren der Liebe wegen nach Österreich, genauer nach Klosterneuburg, wo ihr späterer Mann damals lebte. Sie hatte ihn 1953 kennengelernt, als sie im Alter von 22 Jahren mit einer Freundin per Rad und Autostopp durch Europa reiste. Nach Österreich kam sie mit nicht mehr als vier Wörtern Deutsch im Gepäck.

Nach mehr als 60 Jahren hat sich Pamela M. im Herbst vorigen Jahres ein zweites Mal verliebt. „Es war tatsächlich Liebe auf den ersten Blick. Als ich in dem Appartement stand, das ich jetzt bewohne, war ich sofort verliebt. Ich habe mir gar kein anderes mehr angeschaut“, erzählt die Dame mit dem schneeweißen Haar. „Es ist hier alles so schön und ich wurde derart herzlich empfangen, dass ich nicht lange überlegen musste.“ Zwei Nächte Probewohnen haben genügt und die Entscheidung war getroffen.

Stricken für eine gute Gemeinschaft

Die Entscheidung ist ihr sichtlich leichtgefallen, denn es scheint, als wisse die Dame sehr genau, was ihr gut tut. Da ist zum Beispiel das tägliche Radfahren im Fitnessraum oder die Tatsache, dass sie sich nicht mehr um den Haushalt kümmern muss. Besonders wichtig ist ihr aber, dass sie sich nun sicher fühlt. In ihrer ehemaligen Wohnung in Wien-Döbling hat Pamela M. in nur acht Jahren vier Einbruchsversuche erlebt. Als dann vor gut einem Jahr ihr Mann verstorben ist, fand sie kaum noch Ruhe. „Es war kein gutes Gefühl, nach Hause zu kommen. Deshalb hat meine Tochter gemeint, ich könne hier nicht mehr allein leben“, erzählt sie mit sichtlicher Erleichterung. Doch das allein ist es nicht. Sich sicher fühlen bedeutet auch jene Form von Geborgenheit, die in der Senioren Residenz Josefstadt ganz selbstverständlich ist. Einmal hat sie den roten Notfallknopf in ihrem Appartement gedrückt. „Mir war in der Früh so schwindlig. Keine fünf Minuten später war eine Schwester aus der Pflegeabteilung da“, schildert sie begeistert.

Zu dieser Atmosphäre des Wohlfühlens gehören für die gebürtige Australierin außerdem freundschaftliche Begegnungen mit den anderen Residenten. Deshalb hat sie eine Strickgruppe ins Leben gerufen. Sie nennt sie „Wrap with Love“ – eine Idee, die sie aus ihrer Heimat mitgebracht hat. „Wir stricken Stolas für wohltätige Zwecke. Gute Kontakte sind wichtig, schließlich werden wir hier Jahre zusammenleben.“ Wenn sie nicht strickt, genießt sie die ersten Sonnenstrahlen beim Lesen auf ihrem Balkon. Und sie freut sich schon auf die warme Jahreszeit, wenn sie hoch über dem Hamerlingpark endlich Topfpflanzen aufstellen kann. Dann wird auch der Balkon aufblühen.